Wohnungssuche

Seid gegrüßt!

Seit gut drei Wochen lebe ich nun in Amsterdam. Hier studiere ich an der „Hogeschool van Amsterdam“ und mein Studiengang nennt sich „International Business and Management“.

Anfangen mit meinen Erzählungen würde ich aber gerne etwas früher. Die Vorbereitungen für ein Studium gehen ja schon los, bevor die ersten Vorlesungen beginnen. Man muss Tests machen, alle möglichen Formulare anfordern und ausfüllen, Texte schreiben und so weiter und so fort. Dazu braucht man Geduld und Nerven und man kann leicht den Überblick verlieren. Doch irgendwann hat man alles geschafft und man bekommt, wenn alles klappt, eine Immatrikulationsbestätigung.

Leider kann es dann immer noch nicht losgehen, vor allem wenn es ins Ausland gehen soll. In meinem Fall mangelte es hauptsächlich noch an einer Behausung. Also machte ich mich zusammen mit einem Freund auf den Weg nach Amsterdam, um ein Zimmer zu finden.

Ich hatte mich zuvor schon auf einigen Internetportalen umgesehen und angemeldet. Jedoch verlief die Suche von Deutschland aus eher erfolglos. Meist habe ich keine Antwort bekommen und wenn, dann nach dem Motto: „Hallo lieber Interessent, morgen um 19 Uhr ist Gruppenbesichtigung. Bitte nicht zu spät kommen.“ Die Antworten waren natürlich meistens in Niederländisch. Das heißt, ich habe immer erst durch Google-Übersetzer erfahren, dass ich eine Absage bekommen habe. Irgendwann erkennt man Absagen dann aber anhand von einigen Schlagwörtern, wie beispielsweise „helaas“ (leider). Ab und zu waren aber auch erfreulichere Nachrichten dabei. Da die Besichtigungstermine meist ziemlich kurzfristig waren, entschloss ich mich schließlich, für eine Woche nach Amsterdam zu gehen und mich vor Ort umzuschauen.

In Amsterdam angekommen habe ich auf eben solche Nachrichten gewartet. Von den ca. 150 Anfragen (keine Übertreibung), die ich teilweise schon von zuhause aus geschrieben habe, wurden etwa zehn beantwortet, sieben davon mit „Tut uns leid aber…“. Waren also noch drei übrig. Sobald eine Antwort davon eingetrudelt kam, antwortete ich sofort und hoffte dann, einen Besichtigungstermin zu bekommen.

Der erste war am Abend des dritten Tages. Wir hatten uns Fahrräder geliehen und es regnete in Strömen. Mit dem sehr unterschiedlich starken W-LAN des Hotels haben wir den Weg zu der Wohnung vorgeladen, da wir in Holland kein mobiles Internet hatten. Im strömenden Regen ging es dann mit dem Fahrrad los. An der angegebenen Adresse angekommen suchten wir eine gefühlte Ewigkeit nach dem richtigen Eingang, da es ein riesiger und unübersichtlicher Gebäudekomplex war. Als dann endlich der richtige Eingang sowie die richtige Klingel gefunden war, waren wir bereits zwanzig Minuten zu spät. Niemand ging an die Sprechanlage und auch als wir mithilfe eines anderen Bewohners in das Haus gelangten, war niemand im entsprechenden Apartment zu finden. Also zurück ins Hotel, klitschnass und durchgefroren. 

Die nächste Besichtigung endete damit, dass das Navi mich durch einen Autobahntunnel leitete, was mir leider erst auffiel, als es schon zu spät war. Von außen sah der Tunnel gar nicht so gefährlich aus. Es gab zwar ein Schild, dass Fußgänger nicht hindurch gehen dürften, von Fahrrädern stand aber nirgends etwas. Nach 300 Metern wurde mir dann klar, dass ich auf dem Seitenstreifen einer Autobahn und nicht auf dem Fahrradweg war. Ich hatte die Wahl: Mit dem Fahrrad umdrehen und gegen den Verkehr zurück oder Augen zu und durch. Als ich nach einer Lautsprecherdurchsage und einem gesperrten Fahrstreifen endlich am anderen Ende des Tunnels ankam, war ich mehr damit beschäftigt unterzutauchen, um keinen Ärger mit der Polizei zu bekommen als damit, mir eine Wohnung anzusehen. Durchgeschwitzt und gestresst kam ich auf Umwegen, der Tunnel war keine Option, wieder im Hotel an, wo mein Kumpel auf mich wartete.

Ich wendete mich an Organisationen, welche Wohnheimplätze für Studenten vermittelten. Diese haben in der Regel aber Wartezeiten von weit über einem halben Jahr. Eine Frau, die in einer solchen Organisation arbeitet, meinte, dass auf den bekanntesten Internetforen auf eine Anzeige bis zu dreihundert Bewerber kommen. Da erklärte sich mir auch die geringe Anzahl an Antworten.

Aus den ersten beiden Besichtigungen wurde also nichts. Ich hatte nur noch eine Option. In einer der unzähligen Facebookgruppen für Wohnungssuchende habe ich diese etwas außergewöhnlich klingende Anzeige gefunden: „International Community sucht  neues Mitglied“. Mir war inzwischen alles egal, also habe ich auch auf dieses Angebot reagiert. Prompt bekam ich eine Antwort und wir machten einen Besichtigungstermin aus. Der fand dann auch tatsächlich statt, nachdem er einmal vom Vermieter verschoben worden war. Es war der Abend des letzten Tages, den wir in Amsterdam hatten. Wir packten unsere Sachen und fuhren mit dem vollbeladenen Auto zu der Adresse. Dort ging eigentlich alles ganz schnell. Die Wohnung war schön, die anwesenden Mitbewohner sahen nicht wie Kannibalen aus, ich hinterließ die Kaution und ich hatte ein Zimmer. Dieses liegt etwas südlich von Amsterdam in Amstelveen. Mit der Metro dauert es etwa 25 Minuten zum Hauptbahnhof von Amsterdam. Mein Vermieter ist Ende vierzig und kommt aus Israel. Außer mit ihm lebe ich mit einem Inder, einem Indonesier und einem Slowaken zusammen. Ein- bis zweimal die Woche essen wir zusammen, meist indisch (sehr scharf) und philosophieren über alles Mögliche. In der Tat eine International Community.

Wie man vielleicht erkennen konnte, war es nicht gerade leicht, ein Zimmer zu finden. Deshalb würde ich allen, die planen, in einer Großstadt zu studieren, empfehlen, genügend Zeit für die Wohnungssuche einzuplanen. Außerdem ist es sehr ratsam, die Angebote der Universität wahrzunehmen. Die Unterkünfte sind meistens zwar nicht gerade luxuriös, aber doch oft preiswert und gut gelegen. Später kann man sich ja immer noch etwas anderes suchen. Denen, die vielleicht auch in Holland studieren möchten, rate ich, hinterher zu sein und alle Emails genau zu lesen. Fragt lieber einmal zuviel nach speziell die Holländer sind immer hilfsbereit und freundlich. Wenn ihr zum Beispiel kein Bewerbungsformular für ein Wohnheim bekommt, obwohl es euch versprochen wurde, dann hakt rechtzeitig nach. Irgendjemand hat das vielleicht vergessen zu senden. Kann ja mal vorkommen.

Ich werde versuchen, den Blog in Zukunft regelmäßig zu füttern. Der nächste Post wird dann wohl über die Anfangszeit hier in Amsterdam sein.

Cheers!

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